"Ich bin im Dreiländereck der deutsch-deutschen und deutsch-tschechischen Grenze aufgewachsen. Stacheldraht und Minenfelder wirkten als alltägliche Bedrohung auch auf der Westseite. Beinahe 20 Jahre nach dem Mauerfall erlebe ich sie noch immer die Unterscheidung in Wessi und Ossi, selbst wenn die meisten jungen Leute bereits im vereinten Deutschland geboren und groß geworden sind. Die Geschichte wirkt nach, ohne dass sie zu einer wirklichen gegenseitigen Kenntnis der jeweiligen Lebenssituation geführt hat. Dies ist aber Voraussetzung für wechselseitiges Verständnis und eine vorurteilsfreie Annäherung. Mit der alten Mauer in unseren Köpfen kommen wir nicht weiter. Zufällig war ich am 9. November 1989 in Berlin und habe die Freude der Menschen auf beiden Seiten hautnah miterlebt. Ich wünsche mir, dass die Eltern ihren Kindern davon mehr vermitteln könnten. Das Augenmerk liegt heute leider viel zu sehr auf den negativen Folgen der Wiedervereinigung. Ich setze mich in meiner Arbeit dafür ein, dass junge Menschen trotz oftmals strukturell schlechterer Bedingung in Ostdeutschland Perspektiven für ihre Zukunft auch dort entwickeln können."Kurzvita
Geboren in Ostoberfranken ist sie später mit den Eltern ins Rheinland gegangen und nach der Wende hat es sie nach Berlin gezogen. Neben diesen geografischen Wechseln waren ihr auch Veränderungen im Berufsleben wichtig. Nach dem Studium der Diplom-Pädagogik und mehreren koordinierenden Funktionen im Wohlfahrtsverbands- und Stiftungsbereich war sie in Berlin lange Zeit freiberuflich als Kommunikationstrainerin und Personalentwicklerin im Profit und Non-Profit-Bereich tätig. Seit 2003 ist sie Leiterin der Koordinierungsstelle "Perspektiven für jungen Menschen gemeinsam gegen Abwanderung" in der Stiftung Demokratische Jugend. Weil schon so viele junge Menschen ihre ostdeutsche Heimat verlassen haben und dort inzwischen Fachkräfte fehlen, hat sie zusammen mit verschiedenen lokalen Rückkehrinitiativen 2006 den Verbund Rück- und Zuwanderung gegründet, den sie seitdem als Sprecherin vertritt. Darüber hinaus ist sie im Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) zum Thema Demografischer Wandel aktiv.




