Ein Tor gegen Goliath (Jan Sprengkamp, Magdeburg)
Ich spiele in zwei Vereinen Fußball. Der eine Verein heißt TuS 1860 Magdeburg-Neustadt. Dort spiele ich in der D-Jugend, und zwar in der Landesliga 2. Der andere Verein ist ein besonderer Verein - unser Schulleiter Heinrich Wiemeyer hat zusammen mit Sportlehrer Werner und anderen "Fußballverrückten" am Norbertusgymnasium den SC Norbertus aus der Taufe gehoben. Der Verein beteiligt sich nicht am Spielbetrieb des Landesfachverbandes Fußball, sondern veranstaltet Turniere und unternimmt Fahrten zu Turnieren in Ost- und Westdeutschland - manchmal auch im Ausland.
Eine besondere Fahrt führte uns, die Kicker des SC Norbertus, von Magdeburg nach Bremen, wo zunächst eine Führung durchs Weserstadion auf dem Programm stand. Danach fand auf einem Sportplatz neben der großen Fußballarena ein Kick gegen die Jugendmannschaft des SV Werder Bremen statt. Irgendwie erinnert einen das an die biblische Geschichte vom kleinen David und dem Riesen Goliath - eine Auseinandersetzung, die der Kleine mit Hilfe der richtigen Waffe (Steinschleuder) gewann. Irgendwie dachten wir tatsächlich (vor dem Spiel), dass wir - wie David - eine klitzekleine Chance gegen Goliath (Werder Bremen) haben würden. Aber dazu fehlten uns alle Waffen. Aber vielleicht war die biblische Geschichte ja doch zutreffend - wenn man sie auf unsere 1:13-Niederlage anwendet, dann hier war offenbar das Tor gemeint, das man so schnell gegen solche Fußballriesen wie die von Werder Bremen auch nicht erzielt.
Die Bedingungen war sowieso schwierig, weil wir 2 x 35 Minuten auf dem Großfeld spielen mussten, obwohl unsere Mannschaft aus D- und E-Jugendspielern bestand, die bislang ausschließlich auf dem Kleinfeld im Einsatz waren.
Werder war uns das ganze Spiel über technisch überlegen, kämpferisch haben wir aber gut dagegengehalten. Und unser Keeper Daniel hat zwischendurch auch mal Unhaltbare gehalten. 8 Minuten lang durften wir vom Wunder an der Weser träumen, hatten da das Glück für uns gepachtet. Dann brach das Unglück über uns hinein. Neun Tore fielen noch bis zur Halbzeit.
Und doch geschah in der zweiten Halbzeit vorübergehend ein kleines Wunder (das natürlich nur äußerst begrenzt mit dem biblischen Wunder zu vergleichen ist): Heinrich Wiemeyer, mein Schulleiter, der größte Fan des Teams und Chronist und Fotograf dazu, hat das so beschrieben:
"Jan gelang nämlich der Ehrentreffer; irgendwie hatte er es geschafft, auf der
halbrechten Seite ungestört in Richtung des Werder-Tores zu kommen und mit einem coolen
Heber beförderte er das Runde über Bremens Torhüter hinweg in das berühmte Eckige."
Mein Vater hat mir erzählt, dass er unmittelbar nach dem Tor einen Anruf erhielt (von Riccardo Fiedler, einem der Väter-Fans, die uns begleitet haben), etwa so:
"Heiner, Du wirst nicht glauben, was gerade passiert ist. Jan, der Chancen-Tod, hat gerade ein Tor gegen Werder Bremen geschossen!"
Also doch ein Wunder ...




