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19.01.2010

Martin: Wie am Schnürchen

| Bild: | Für Martin Hölzel ging es bis jetzt immer nur geradeaus. Alles klappte wie am Schnürchen: Abitur, Zivildienst, Praktikum und dann Studium. Keine Extrarunden, keine langen Wartezeiten. Davon träumen viele.

Seine Begabung für technische Dinge entdeckte Martin in der 10. Klasse, er stand in Physik auf 1,0. Kein Wunder, dass er sich für den Physik-Leistungskurs entschied. Nicht nur in der Schule zeigte sich die Begeisterung für Technik, auch zu Hause bastelte er ständig rum, reparierte Fahrräder und Mopeds. Martin hat in sein eigenes Moped sogar eine Musikanlage eingebaut. Er muss nur den Sitz hochklappen und einen MP3 Player an den eingebauten Lautsprecher anschließen und schon kann er Musik hören.Der Schritt zu einem technischen Studiengang lag bei solch einer Begeisterung sehr nahe. Nun studiert er schon im zweiten Semester und steckt mitten im Prüfungsstress. Er hat sich für Verfahrenstechnik in seiner Heimatstadt in den Neuen Bundesländern entschieden.

Sein Vater hat nicht unwesentlich zu diesem Schritt beigetragen. Martins Vater arbeitet selbst als Ingenieur für Anlagen, die dann zum Beispiel in Kraftwerke eingebaut werden. Doch Martin sieht es nicht als direkte Beeinflussung. "Die Gene waren halt da und als ich das Praktikum in dem Betrieb von meinem Vater gemacht habe, fand ich das ganze Aufgabenfeld einfach interessant", erklärt er seine Entscheidung.

Martin weiß auch, dass er später wahrscheinlich gutes Geld damit verdienen kann. Doch nur deswegen hätte er das Studium nicht ausgewählt: "Ich möchte später auch Spaß in meinem Beruf haben und nicht vor Arbeit ersticken. Ohne die entsprechende Neigung kommt man auch nur schwer durch das Studium. Einige Kommilitonen haben hauptsächlich auf die Verdienstmöglichkeiten geachtet, und die haben jetzt Probleme, alle Prüfungen zu bestehen."

Auch wenn die Verdienstmöglichkeiten als Ingenieur für Anlagen allgemein gut aussehen, wird Martin später wohl in den Westen gehen müssen. Da gibt es einfach mehr Arbeitsplätze und besseres Geld. Verstehen kann er das nicht, denn im Westen machen sie ja auch keine andere Arbeit, und eigentlich ist Deutschland ja nun schon seit 20 Jahren wiedervereint. Ärgern will er sich darüber nicht. "Ich kann es doch sowieso nicht ändern, warum soll ich mich dann darüber aufregen?" Anstatt sich zu ärgern, konzentriert Martin sich lieber auf das Studium, damit es weiter mit großen Schritten vorangeht und auch die Zukunft wie am Schnürchen klappt.

Martin kann sich vorstellen, in Dresden einen gut bezahlten Arbeitsplatz zu finden. Hier haben sich viele Unternehmen angesiedelt, die händeringend nach guten Ingenieuren suchen, und wer gute Fachkräfte will, muss auch entsprechend bezahlen. Es ist schon lange nicht mehr so, dass gute Fachkräfte wie Ingenieure in Ostdeutschland weniger verdienen müssen als in Westdeutschland. Angebot und Nachfrage regeln das von selbst. Wenn nicht, dann wird er für einen interessanten und gut bezahlten Job auch in den Westen gehen. Zum Studieren wollte er aber in Dresden bleiben, da er den klaren Vorteil zu vielen westdeutschen Unis sieht: "Ich werde hier genauso gut ausgebildet, muss aber keine horrenden Studiengebühren bezahlen."