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19.01.2010

Selim: Kämpfer mit Teamqualitäten

| Bild: | Das kann er vergessen, hatte ihm der Berater in der Arbeitsagentur gesagt. Ausgerechnet Kfz-Mechatroniker, der beliebteste Ausbildungsberuf junger Männer überhaupt. Trotz Realschulabschluss: Dafür reichen die Noten nicht! Die Misserfolge eigener Bewerbungsbemühungen scheinen dem Fachmann Recht zu geben. Aber Selim Aydin, 17, gebürtiger Deutscher, ist ein Dickschädel und ein Kämpfer, nicht nur in seiner Freizeit als Kickboxer mit Wettkampferfahrung. Einer wie er weicht auch mal zurück, greift von der Seite an - das Ziel fest im Auge.

Zwei Möglichkeiten bieten sich an: Berufsvorbereitung entweder in der Autoindustrie oder aber bei einem Bildungsträger und einem renommierten Motorenbauer. Ein Onkel rät zu Letzterem, der Arbeitsvermittler ist einverstanden, und Selim greift zu.

Vier Monate Grundlehrgang im Berufsfeld Metall: "Das hat mir schon ganz gut gefallen, aber der Test war zu schwierig." Für die Ausbildung bei dem Motorenbauer reicht es damit nicht, aber die war sowieso nicht Selims Traum. Ein Karosseriebauer dagegen, bei dem er drei Wochen Praktikum absolviert, will ihn nur zu gern als Auszubildenden nehmen. Aber der blitzt bei Selim ab: "Das hat mir gar nicht gefallen. Schließlich will ich keine Karosserien bauen, sondern Kfz-Mechatroniker werden." Damit nervt er seine Kursleiterin bei IN VIA e.V. immer wieder.

Dort haben die jungen Leute an zwei Tagen in der Woche die Gelegenheit, schulische Defizite auszubügeln und ihre Bewerbung zu trainieren. Die Führung ist straff, Abbrecher gibt es wenige. Dreiwöchige Praktika in Unternehmen werden vermittelt, in denen die jungen Leute Chancen haben. Bei Selim ist es ein Praktikum als Metallbauer, und das schafft ihn körperlich. "Den ganzen Tag 60 bis 70 Kilogramm schwere Metallstücke schleppen, nach einer Woche war ich fertig. Zwei Wochen lang ist er krank." Aber schließlich hatte er ja Kfz-Mechatroniker werden wollen.

Also soll er es in Gottes Namen versuchen, sagt schließlich Claudia Deppe, die sozialpädagogische Betreuerin bei IN VIA e.V. Bei einem Autohändler erlebt Selim seinen Durchbruch. "Das war ein menschlicher Erfolg", freut sich Claudia Deppe. Er passte sich so gut ins Team dieser kleinen Firma ein, dass sie ihn trotz seiner problematischen Zeugnisnoten genommen haben. Die haben sich erst gar keinen anderen Bewerber mehr angeschaut.

Selim Aydin ist erst einmal an seinem Ziel. Jetzt muss er ackern und sich bewähren. "Das wird kein leichter Weg", weiß er. Aber das war's bisher auch nicht, denn Selim ist ein Kämpfer.